Liebe FABRIKantInnen,
neues Jahr, neues Glück. Tatsächlich gibt es gute Neuigkeiten. Die Technikerstelle ist ab der nächsten Spielzeit neu besetzt, sodass die TheaterFABRIK die Segel hissen kann, um den Spielbetrieb mit voller Kraft wieder aufzunehmen. Die folgenden zwei Drittel dieser Spielzeit allerdings werden nichtsdestotrotz spannend. Schattenspielende Langzeitarbeitslose, Schizophrene, Kindermörder, Männer, Paarungswillige und andere merkwürdige Helden werden auf der FABRIK-Bühne und der Bühne am Park zu bewundern sein.
Die TheaterFABRIK als eigenständiges freies Theater mit Anbindung an die Theater & Philharmonie Thüringen mit und für ein junges Publikum muss nach meinem Dafürhalten als Seismograph fungieren. Das bedeutet, dass Erschütterungen, Missstände, Frustration und Gleichgültigkeit thematisiert werden und, wenn möglich, die Menschen der Stadt zu größtmöglicher Demokratie auffordern. Das heißt, was mich betrifft, Selbstbestimmung und Einmischung mittel der Kraft des Theaters. Das Schlagwort der „kulturellen Bildung“ bedeutet nicht retrospektiv sondern visionär zu agieren. Diese Bildung steht für die Dinge, die sich jedes Messbaren entziehen. Wertevermittlung, Herzensbildung oder der gesamte Bereich der sozialen Kompetenz ist für die Schaffung einer Vision notwendig. Ohne Visionen, Herausforderungen oder Ziele verliert eine Gesellschaft nebst der Kreativität ihre Kultur. Sie recycelt nur noch Überkommenes, ohne auf neue oder ungewöhnliche Ideen zu kommen, um wiederum nachhaltig Ausgrenzung, Ignoranz, Einfalt und mangelndem Respekt untereinander vorzubeugen. Ferner ist die Schaffung einer Identität, die mit kultureller Bildung unterstützt wird, für eine Gesellschaft unabdingbar, um seine Existenz zu sichern. Die TheaterFABRIK übernimmt hier einen wesentlichen Teil, um für eben diese besondere Form der Bildung zu sorgen.
In diesem Jahr sind also Projekte geplant, die einerseits unter professioneller Leitung stehen, wobei den jugendlichen Darstellern, neben dem Unterricht in (theater)handwerklichen Dingen größtmögliches Mitsprache- und Gestaltungsrecht zugestanden wird. Dazu kommen noch Werkräume, in denen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sich in Sachen Darstellungspraktiken weiterbilden können. Diese Projekte wenden sich gezielt an die Bürger, um auch hier für Aufmerksamkeit und Vernetzung zu sorgen. Diese Vernetzung der Institutionen und anderer gesellschaftlicher Strukturen bilden den Teil eines Auswegs für eine schwierige Zeit und eine schwierige Region. Ein wesentlicher Teil der Projekte besteht aus der erfolgreich durchgeführten „Jetzt“-Reihe, in der die Jugendlichen eigene Themen mit einer zu erfindenden Ästhetik auf die Bühne der TheaterFABRIK bringen können.
Peter Przetak (Leiter der TheaterFABRIK)
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